Posted on Sep 27, 2013 in Ratgeber

Gedenkseiten im Internet wachsen wie Pilze aus dem Boden. Kommt nun nach den Online – Partnervermittlungsagenturen die nächste große Welle? „Das gemeinsame Trauern“?

Wir alle wissen, im Netz ist alles möglich. Selbst so scheinbar sensible Bereiche wie der Tod werden nicht ausgespart, wenn es darum geht, Geld zu verdienen. Und auch wenn es für viele Menschen schwer vorstellbar ist, aber die Erinnerung an geliebte, verstorbene Angehörige hat den Weg ins Internet gefunden. In Form von so genannten Gedenkseiten wird es den Hinterbliebenen ermöglicht, an den Verstorbenen zu denken und online zu trauern.

Grund genug, den „Markt“ der Gedenkseiten einmal genauer zu betrachten und einige Beispiele zu präsentieren.

 

Wie entstand die Idee?

Gedenkseiten

WikiImages / Pixabay

Die „Idee“ der öffentlichen Gedenkseite ist im Prinzip nicht neu. Wir alle kennen Todes- und Erinnerungsanzeigen an Verstorbene in der Tageszeitung. Während des 2. Weltkrieges wurden die Namen gefallener Soldaten im Radio mitgeteilt, bzw. Listen veröffentlicht.
Mit dem Internet haben immer mehr Menschen begonnen, für Ihre verstorbenen Angehörigen im Internet eine eigene Gedenkseite zu erstellen und somit das Andenken unterstützt.
Es war also nur eine Frage der Zeit, bis dieses Bedürfnis nach Erinnerung und Trauer von professionellen Gedenkseiten – Betreibern aufgegriffen und mit entsprechenden Trauermöglichkeiten ergänzt wurde.
Dabei muss jedoch gesagt werden, dass diese Betreiber ihr Angebot in sehr würdevoller und respektvoller Weise präsentieren.

 

Wie funktionieren Gedenkseiten?

Im Grunde ist es ganz einfach. Ähnlich wie in sozialen Netzwerken, kann man auf verschiedenen Gedenkseiten – Portalen für den Verstorbenen ein „Konto“ anlegen und die wichtigsten Daten bekanntgeben (Name, Geburts- und Sterbedaten, Werdegang, Eigenschaften, etc..). Dieser Eintrag auf einer entsprechenden Gedenkseite ist in der Regel übrigens kostenlos.
Wenn alle relevanten Daten eingeben sind, stellt man die Daten online und kann den Link an Freunde, Bekannte, Verwandte des Verstorbenen (oder an wen auch immer) weiterleiten und quasi zur Trauer einladen.
Natürlich ermöglichen es die Gedenkseiten auch ganz einfach die entsprechende Seite per Facebook zu teilen. Ob dann in weiterer Folge diese Gedenkseite auch „geliked“ wird habe ich nicht weiter überprüft – ist aber anzunehmen.

Die Empfänger dieser Nachricht haben nun die Möglichkeit, die Gedenkseite zu besuchen und an „Ort und Stelle“ zB. eine Kerze anzuzünden, einen Eintrag ins virtuelle Kondolenzbuch vorzunehmen, oder Musik zu hören und in Gedanken an den Verstorbenen zu verweilen.


 

Gedenkseiten als Businesskonzept?

Legt man eine Gedenkseite an, kann man dies zunächst auch kostenlos tun – quasi als Basispaket. Möchte man mehr Funktionen nutzen, zB. eine dauerhaft brennende Kerze, Musik im Hintergrund, Einladefunktion, etc. (dies ist je nach Anbieter unterschiedlich), kann man ein Zusatz/Premium/Sonderpaket buchen, für das dann eine Gebühr anfällt. Die Besucher der speziellen Gedenkseite können bei Bedarf Kerzen anzünden. Hier wird, abhängig von der Brenndauer eine Gebühr verlangt.
Natürlich sind die Möglichkeiten der Umsatzgenerierung damit nicht erschöpft. Je nach Anbieter und „Sortiment“ finden sich zahlreiche zusätzliche Angebote auf den diversen Gedenkseiten.

 

Welche Bedürfnisse werden bei der Online Trauer befriedigt?

Gedenkseite 2

geralt / Pixabay

Gegenfrage: Wie oft besuchen wir die Gräber unserer Verstorbenen am Friedhof?
Der wesentliche Vorteil der Online – Trauer ist zweifelsfrei die Tatsache, dass man jederzeit an einen lieben Menschen denken kann. Natürlich geht das auch ohne Gedenkseiten – viele Menschen zünden am Sterbetag zu Hause eine „echte“ Kerze an.
Trotzdem scheint die optische „Aufbereitung“ der individuellen Gedenkseite zusätzliche Vorteile zu bieten. Wenn dann noch im Hintergrund angenehme Musik zu hören ist, noch einmal Gedichte oder Gedanken notiert werden können, können dadurch sehr intensive Momente entstehen.
Der soziale Aspekt ist dabei nicht zu vernachlässigen. Wenn andere Bekannte oder Freunde des Verstorbenen ihre Gedanken notieren oder nette Erinnerungen anmerken, schafft das ein Gefühl des „Miteinander Gedenkens“. Aus der einsamen Trauer wird ein gemeinschaftliches Erinnern.

 

 

                           

 

Beispiele für Online Trauer

Machen Sie sich an folgenden Beispielen (nicht vollständig) selbst ein Bild über Gedenkseiten im Internet.

Gedenkseiten.de

Auf Gedenkseiten.de findet man nach Betreiberangaben aktuell 9.450 Gedenkseiten und knapp 370.000 brennende Kerzen.
Das gibt schon einmal ein Gefühl dafür, wie dieser „Markt“ aussieht.
Auf Gedenkseiten.de sind der Eintrag und auch die Kerzen kostenlos.
Das Design der Kerzen kann selbst gestaltet werden. Es bietet sich genug Raum für Gedichte, Gedanken usw.
Benötigt man Unterstützung bei Trauersprüchen „werden Sie geholfen“ und das Facebook – Teilen ist per Click absolut problemfrei.
Interessiert Sie ein Ranking der meist-besuchten Gedenkseiten, ist das auch möglich.
Aktuell findet man eine Gedenkseite von Marcel Reich-Ranicki.

Viternity.org

Viternity.org ist eine österreichische Gedenkseite und nach eigenen Aussagen  „…das umfassendste, deutschsprachige Portal dieser Art.“
Hier können Sie neben der kostenlosen Basisversion auch ein Premiumpaket kaufen, das einmalig €24,- kostet und erweiterte Dienstleistungen anbietet.
Kerzen für ein Monat sind gratis, danach werden Staffelpreise, je nach Brenndauer zwischen € 6,- und €50,- angeboten.
Aktuell werden 251 Gedenkseiten angeführt.

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